Adventskalender: Geschichte, Bedeutung und auf Englisch
Adventskalender heißt auf Englisch Advent calendar. Den ersten gedruckten Kalender brachte 1902 ein Hamburger Verlag heraus, der Münchner Verleger Gerhard Lang gilt als Erfinder des modernen Adventskalenders. Einen alleinigen Erfinder gibt es aber nicht: Der Brauch wuchs im 19. Jahrhundert aus Kreidestrichen, Kerzen und Bildern an der Wand.
Adventskalender auf Englisch: Advent calendar
Adventskalender heißt auf Englisch Advent calendar (PONS, Cambridge Dictionary). Das gilt für britisches und amerikanisches Englisch gleichermaßen.
Der 1. Advent heißt First Sunday of Advent oder kurz Advent Sunday. Der zweite bis vierte Advent entsprechend second, third und fourth Sunday of Advent. 2026 fällt der 1. Advent auf Sonntag, den 29. November (Church of England).
In Österreich schreibt man Adventkalender, ohne s. Der Duden führt einen eigenen Eintrag dafür.
Adventskalender in England
Die ersten Adventskalender in Großbritannien waren Geschenke aus Deutschland oder Skandinavien. 1956 wurden Kalender dort erstmals hergestellt und beworben; die Anzeigen mussten den Käufern das Produkt noch erklären (Martin Johnes, Historiker an der Swansea University). In den 1980ern waren Pappkalender mit einer Krippenszene hinter dem 24. Türchen üblich. Cadbury brachte 1971 den ersten eigenen Schokoladenkalender, Dauerproduktion läuft seit 1993 (BBC Bitesize, 24.12.2025).
Die Geschichte des Adventskalenders: Ein Zeitstrahl
| Jahr | Was geschah | Quelle |
|---|---|---|
| 1839 | Johann Hinrich Wichern stellt im Rauhen Haus in Hamburg Kerzen auf ein Wagenrad, um die Wartezeit bis Weihnachten sichtbar zu machen. Die Wikipedia nennt das den „ersten dokumentierten Adventskalender“; das Rauhe Haus, NDR und Diakonie sprechen vom ersten Adventskranz. | Wikipedia, Rauhes Haus, NDR, Diakonie |
| 1851 | In Elise Averdiecks Kinderbuch „Roland und Elisabeth“ hängt eine Familie täglich ein Bild an die Tapete, bis 24 Bilder hängen und Weihnachten da ist. Der früheste literarische Beleg für einen selbstgebastelten Adventskalender. | katholisch.de, Wikipedia |
| 19. Jh. | Protestantische Familien malen 24 Kreidestriche an Tür oder Wand und wischen täglich einen weg. In katholischen Gegenden legen Kinder für jede gute Tat einen Strohhalm in eine leere Krippe, damit das Jesuskind weich liegt. | Wikipedia, Erzbistum Köln, BR Kinder |
| 1902 | Die Evangelische Buchhandlung Friedrich Trümpler in Hamburg druckt die erste „Weihnachtsuhr für Kinder“ mit den Ziffern 13 bis 24. Preis: 50 Pfennig. | Stiftung Historische Museen Hamburg, SZ |
| um 1903/04 | Gerhard Lang (1881 bis 1974) bringt bei Reichhold in München den Kalender „Im Lande des Christkinds“ heraus: 24 Verse und 24 Bilder zum Ausschneiden, illustriert von Richard Ernst Kepler. 1904 liegt ein Weihnachtskalender als Beilage im Stuttgarter Neuen Tagblatt. | Wikipedia, IfaK, SZ, BR24 |
| 1904 | Das Wort „Adventskalender“ taucht laut IfaK erstmals beim Berliner Frauenverein Edelweiß auf. Vorher hießen die Kalender Weihnachtskalender. | IfaK |
| um 1920 | Kalender mit Türchen verbreiten sich. Reichhold & Lang bringt „Christkindleins Haus“ von Dora Baum heraus, den ersten Kalender nach dem heutigen Türchenprinzip. | Wikipedia, IfaK |
| 1922 | Weihnachtsuhren erscheinen mit 24 Ziffern (die älteren hatten nur 13 bis 24). | Wikipedia, SHMH |
| 1940 | Gerhard Lang gibt die Kalenderproduktion auf (Papiermangel, Konkurrenz, Preisdruck) und löst seinen Verlag auf. Ab 1941 verteilt die NSDAP den Kalender „Vorweihnachten“. | Wikipedia |
| 1945/46 | Der Richard Sellmer Verlag in Stuttgart erhält von der US-Besatzung eine der ersten Druckerlaubnisse und druckt den Kalender „Die kleine Stadt“. | Wikipedia, Sellmer |
| Anfang 1950er | Newsweek zeigt Eisenhowers Enkel mit einem Sellmer-Kalender. Die Nachfrage in den USA steigt. | Wikipedia, Sellmer |
| 1956 | In Großbritannien werden Adventskalender erstmals hergestellt und beworben. | Martin Johnes (Swansea University) |
| 1958 | Der erste Schokoladen-Adventskalender erscheint im Handel. Cadbury folgt 1971, Dauerproduktion ab 1993. | Wikipedia, Lindt, Johnes, BBC Bitesize |
| 1995 | „Der Andere Advent“ des Vereins Andere Zeiten e. V. erscheint erstmals. 2026/27 kommt die 32. Ausgabe. | Wikipedia, Andere Zeiten |
Wer hat den Adventskalender erfunden?
Einen alleinigen Erfinder des Adventskalenders gibt es nicht. BR24 schreibt dazu am 30.11.2025: „Der Adventskalender hat keinen ‚alleinigen' Erfinder. Niemand weiß genau, wo der eigentliche Ursprung der adventlichen Zeitmesser liegt.“
Der erste gedruckte Kalender stammt aus Hamburg: 1902 brachte die Evangelische Buchhandlung Friedrich Trümpler eine Weihnachtsuhr mit den Ziffern 13 bis 24 heraus.
Gerhard Lang aus Maulbronn (1881 bis 1974) gilt in vielen Quellen als Erfinder des modernen Adventskalenders. Die Süddeutsche Zeitung nennt ihn „den eigentlichen ‚Erfinder' des Adventskalenders“, das IfaK formuliert vorsichtiger: „Als Erfinder des Adventskalenders sah sich Gerhard Lang.“ Lang kam 1902 nach München und druckte dort bei der Lithografischen Anstalt Reichhold & Lang Kalender mit Bildern zum Ausschneiden. Laut Überlieferung nähte seine Mutter ihm als Kind 24 Wibele (schwäbisches Baisergebäck) auf Karton; BR Kinder leitet diese Geschichte mit „angeblich“ ein.
In welchem Jahr erschien Langs erster Kalender?
Die Quellen sind sich nicht einig:
- 1903: Wikipedia, IfaK und die Wikimedia-Commons-Dateiseite des Kalenders „Im Lande des Christkinds“ nennen 1903 als Erstausgabe.
- 1904: Die SZ und BR24 datieren den Kalender als Beilage einer Stuttgarter Zeitung auf 1904.
- 1908: katholisch.de schreibt, Lang habe „1908 erstmals einen gedruckten Adventskalender herausgebracht“. Sellmer nennt ebenfalls 1908.
Eine mögliche Erklärung (die so in keiner einzelnen Quelle steht): 1903 Erstdruck bei Reichhold, 1904 Vertrieb als Zeitungsbeilage, ab 1908 regelmäßige Verlagsausgaben. Die SZ schreibt, Langs Verlag habe „zwischen 1908 und 1938 beinahe jedes Jahr“ einen neuen Kalender herausgegeben.
Was bedeutet der Adventskalender?
Das Wort Advent kommt von lateinisch „adventus“ (Ankunft). Im Kirchenjahr ist der Advent die Vorbereitungszeit auf die Geburt Jesu; die vier Adventssonntage erinnern an die Erwartung der Wiederkunft Christi (katholisch.de).
Der Adventskalender war ursprünglich eine Zählhilfe für Kinder. Kreidestriche an der Tür, Strohhalme in der Krippe und Kerzen auf dem Wagenrad machten die Wartezeit bis Weihnachten sichtbar. Der Brauch entstand im 19. Jahrhundert im deutschen Protestantismus; ein genaues Startjahr ist nicht belegt.
Heute hat ein Adventskalender 24 Türchen vom 1. bis 24. Dezember. Kirchenjahr-Kalender wie Der Andere Advent laufen vom Vorabend des 1. Advent bis zum 6. Januar. 2026 fällt der 1. Advent auf Sonntag, den 29. November.
Wer einen Adventskalender selber machen möchte, knüpft an die älteste Tradition an: die selbstgebastelten Kalender protestantischer Familien aus dem 19. Jahrhundert. Auch der lebendige Adventskalender greift den Gemeinschaftsgedanken der frühen Zählbräuche auf.
Quellen
- Wikipedia: Adventskalender, Gerhard Lang (Verleger), Elise Averdieck
- Stiftung Historische Museen Hamburg: Die ersten gedruckten Adventskalender
- katholisch.de: Die Geschichte des Adventskalenders
- IfaK (Institut für angewandte Kindermedienforschung): Die Geschichte des Adventskalenders in Deutschland
- BR24: Wer hat den Adventskalender erfunden? (30.11.2025)
- Süddeutsche Zeitung: Ideengeschichte: Jeden Tag ein Türchen
- Sellmer Adventskalender: The history of the Advent calendar
- Martin Johnes (Swansea University): A brief history of Advent calendars in the UK (01.12.2020)
- Church of England: The Calendar (1. Advent 2026: 29. November)
- PONS: Adventskalender, Cambridge Dictionary: Advent calendar
- Wikimedia Commons: Richard Ernst Kepler, Im Lande des Christkinds (gemeinfrei)
- Fachliteratur: Esther Gajek, Adventskalender, von den Anfängen bis zur Gegenwart (Süddeutscher Verlag 1988). Tina Peschel (Hg.), Adventskalender: Geschichte und Geschichten aus 100 Jahren (Verlag der Kunst 2009).
Häufige Fragen
Wie heißt Adventskalender auf Englisch?
Advent calendar (PONS, Cambridge Dictionary). In Österreich heißt es Adventkalender, ohne s.
Hat man in England Adventskalender?
Ja. Die ersten Kalender kamen als Geschenke aus Deutschland und Skandinavien. 1956 wurden sie in Großbritannien hergestellt und beworben. Cadbury brachte 1971 den ersten eigenen Schokoladenkalender, Dauerproduktion läuft seit 1993.
Wie sagt man 1. Advent auf Englisch?
First Sunday of Advent oder Advent Sunday. 2026 fällt der 1. Advent auf den 29. November.
Wer hat den Adventskalender erfunden?
Einen alleinigen Erfinder gibt es nicht. Die erste gedruckte Weihnachtsuhr brachte 1902 der Hamburger Verlag Friedrich Trümpler heraus. Der Münchner Verleger Gerhard Lang gilt als Erfinder des modernen Adventskalenders mit Bildern zum Ausschneiden (um 1903/1904).
Seit wann gibt es Schokoladen-Adventskalender?
Der erste Schokoladen-Adventskalender erschien 1958 im Handel. In Großbritannien brachte Cadbury 1971 den ersten eigenen Schokoladenkalender.
Zuletzt geprüft: 06.10.2026. Haben wir etwas falsch dargestellt? Schreib uns, wir korrigieren und nennen die Quelle.